Schublade oder nicht Schublade?

Es gab mal eine Zeit. Eine Zeit ohne Internet und mit Spätpubertätsproblemen. Eine Zeit in der man dauernd von irgendwem aufgefordert wurde sich zu einer „Gruppe“ zu bekennen. Meine meistverhasst Frage damals war: „Sag mal was bist denn du jetzt eigentlich? Grufti? Punk? Hippie? Oder was?!?“. Woher sollte ich denn so was wissen. Ich war … naja … ich halt! Immer wieder versucht man dann sich in die vorbereiteten Schubladen zu setzen, mal in die eine, mal in die Andere. Aber keine passt so wirklich, nirgendwo gehört man hin, auch wenn man aus jeder der Schubladen ein Paar Socken klaut – mal mehr Mal weniger.

Ich weiß gar nicht ob das bei den Jüngeren heute noch so ist, aber ich bin echt froh dass ich das hinter mir habe. Nachdem ich in allen Schubladen mal gesessen habe hab ich beschlossen den Unfug einfach sein zu lassen. Soll mir doch jeder ein Etikett aufkleben wie er mag. Es ist schlicht dämlich sich an ungeschriebene Regeln halten zu müssen um irgendwelche Klischees zu erfüllen. Jetzt wird wieder jeder sagen „Neeeein, ich würde das ja auch nie tun! Ich mache ja auch nur was ich will!“ – aber ganz ehrlich: Ist das so? Wenn ich mir manchmal irgendwelche Doofgespräche anhören muss was jetzt „true“ ist und was nicht (auch wenn das Wort kaum noch jemand benutzt), klinke ich mich am liebsten aus dem Gespräch aus. Denn im Grunde ist es mir eigentlich egal ob mein grüner Rock jetzt Gothic ist oder nicht oder ob irgendein „Kenner“ meint der „gehe ja gar nicht“! Oder dass ich wenn ich irgendwas aus irgendeiner Musikrichtung mag auch XY mögen MUSS, denn die sind viel älter und so voll der Ursprung von allem! Hallo? Wenn es mir aber nicht gefällt muss ich mich doch nicht damit beschäftigen, oder? Ich schreibe gerne, kann aber trotzdem kein Sütterlin (wobei ich das noch ganz interessant fände).

Es mag ja stellenweise durchaus seinen Sinn haben etwas zu kategorisieren, aber meist wird es einfach übertrieben. Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Band XY jetzt grade irgendwie toll finde, wären Kategorien beispielsweise ziemlich nützlich. Ich finde aber immer nur schwer welche und die stimmen meist wohl auch nicht, weil es mir im Grunde auch scheißegal ist was das ist, das ich da höre. Entweder ich mag es, oder ich mag es nicht. Und Menschen die sich, bevor sie sich eine Band bewusst anhören, erst einmal eingehend mit dem Genre und dessen Entwicklung beschäftigen müssen … naja lassen wir das. Das ist einfach Musik! Keine Wissenschaft! Hören und gut finden oder auch eben nicht!

Zu guter Letzt ein South-Park-Zitat:
„Wenn Du zu den Nonkonformisten gehören willst, musst Du die gleiche Musik hören, Kleidung tragen und Dich genauso verhalten wie wir!“

Titelbild von rosemary