Polina

Vor gar nicht allzu langer Zeit sah ich eine Tanz-Reportage, nicht über eine bestimmte Tänzerin, noch nicht mal explizit über Ballett – nein, eher allgemein gehalten. Und da war Sie! Sie war großartig und ich war neugierig! Polina Semionova ist ihr Name und wenn man sich nicht zufällig für Ballett interessiert oder sonstwie über die Dame gestolpert ist, könnte sie zumindest noch aus einem Herbert-Grönemeyer-Musikvideo kennen (ich kannte es nicht, habe das Video nur durch die Suche nach ihr entdeckt). Weil sie so großartig ist, folgen am Ende dieses Beitrags noch einige Videos von ihr (tanzend, selbstverständlich), aber nun zum eigentlichen Thema:

Kurze Zeit nach besagter Reportage fiel mir das Buch „Polina“ in die Hände. Das konnte kein Zufall sein. Nein, das war Schicksal! Dieses pinkfarbene Buch war eindeutig für mich bestimmt! Dabei handelte sich nicht einmal um die Geschichte von Polina Semionova, sondern um eine von ihr inspirierte Fiktion mit um ein Mädchen mit dem gleichen Vornamen, welches unbedingt Ballerina werden möchte. Ich habe mal gelesen, dass sie von dieser Fiktionisierung ihrer eigenen Geschichte nicht unbedingt so begeistert war.

Die Story
Der französische Zeichner Bastien Vivès hat hier jedoch keineswegs eine rosa-plüschige Ballett-Geschichte für kleine Mädchen gezeichnet. Er erzählt in Polina die spezielle Beziehung zwischen dem Mädchen und seinem Lehrer. Es geht nicht um irgendeine dramatische Geschichte, verpackt in ein nettes Tanz-Setting. Es geht ums Tanzen – und nur darum! Es geht um Härte, Kampf, Zwang, Verzicht und Willen. Und um den Weg einer jungen Tänzerin, angeleitet von einem strengen Lehrer Bojinski (einer russischen Tanzlegende), und ihrem Weg zu ihrem einmaligen Tanz – dem Weg zu ihrer Tanzkarriere.
Die Geschichte beeindruckt durch den puren Willen Polinas ihr Ziel zu erreichen, die Kälte und Härte der russischen Tanzausbildung und das Zusammenspiel der zahlreichen Charaktere, die Polina auf ihrem Weg begegnen und sie begleiten.

Die Zeichnungen
Der sehr eigenwillige und wenig filligrane Zeichenstil von Bastien Vivès ist stark durch Schatten geprägt. Aber gerade das verleiht den kleinen und später größeren Tänzerinnen eine Extra-Portion Eleganz und Filigranität. Die charakterliche Veränderung, die Polina in der Geschichte durchlebt, wird optisch perfekt mitgetragen, was einem erst bei einem späteren, erneuten Durchblättern so richtig auffällt.

Anmerkungen:
Ebenfalls ein recht dickes Buch, aber mit recht voluminösem Papier tatsächlich hat dieses Buch „nur“ knapp über 200 Seiten. Womit mich der Einband direkt gewonnen hat ist zum Einen die Farbe (Dunkelmattpink – Yay!) und wie bei dem Babys-in-Black-Buch, das ja aus dem gleichen Verlag stammt wieder ein toller matter Umschlag. Diesmal mit partieller Lackierung – da freut sich der Druckveredelungsfetisch!

Die harten Fakten:
Reprodukt-Verlag | Autor und Zeichner: Bastien Vivès
Übersetzung von Mireille Onon
Handlettering von Dirk Rehm

Polina
> Klappenbroschur mit mattem Einband, partiell lackiert
> 208 Seiten
> Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2011

Zu kaufen gibt es diese beeindruckende Graphic Novel hier.

Die „echte“ Polina:

Ich weiß, es geht eigentlich um eine andere, fiktive Polina in dem Buch, aber ich habe dennoch ein paar Videos für euch. Weil sie toll ist! Nämlich.

Zuerst das Video, aus dem die Meisten sie schon kennen könnten (wenn überhaupt) – ein Musikvideo von Herbert Grönemeyer. Da ich Grönemeyer-Musik aber leider so gar nicht leiden kann, bin ich froh, wenigstens eine Instrumental-Version davon gefunden zu haben:


Eine Solo-Variation aus La Bayadere:


Oder hier als absolut bezaubernde Cinderella! Wobei die ganze Inszenierung irgendwie total toll ist – vor allem auch die zwei grandiosen Stief-Transen (was ich mich darüber amüsieren könnte!)!! :)