Vor dem Auftritt ist nach dem Auftritt! Oder wie war das?

Ryka - Slasher - Gothla 2011 -  Leipzig - Pfeffermühle Die Yuliyah hat in ihrem Blog dazu aufgerufen mal festzuhalten, was für Rituale und Macken man vor einem Auftritt so entwickelt oder welche Rituale man so pflegt oder eben auch nicht. Es ist nicht so, als könnte ich auf jahrelange Erfahrungen und hunderte von Auftritten zurückblicken, aber bei den paar Malen, bei denen ich mich schon mal getraut habe, kann man vielleicht doch schon irgendwas ablesen. Versuchen wir es einmal!

Ich setze jetzt einfach mal an dem Punkt an, an dem Überlegungen, Proben und Proben im Outfit (inkl. dem „Oh mein Gott, es sind noch 3 Tage und ich habe NICHTS anzuziehen!“ und dem „Ich hab ein saugeiles Outfit, aber was tanz ich damit jetzt eigentlich“)schon durch sind. Also wirklich ganz kurz vor einem Auftritt.

Wirkliche Rituale habe ich nicht. Oder zumindest ist mir bisher noch nichts aufgefallen, das ich bewusst oder unbewusst immer vor Auftritten anstelle. Falls jemand Anders etwas bemerkt hat, sagt mir bitte mal Bescheid! Aber so ganz normal ist es deswegen auch nicht wirklich.

Ein Tag davor: 1. Der Testlauf
Vorbereitung ist Alles! Meistens höre ich mir das Lied nochmal an und gehe alles im Kopf durch. Auf jeden Fall wird aber nochmal testgeschminkt, testfrisiert und das Kostüm ein letztes Mal anprobiert um daran herum zu zuppeln und ggf. noch irgendwas zu fixieren oder festzustecken. Anschließend wird alles für den nächsten Tag bereit gelegt, inkl. Ersatzschminke, Notfall-Firlefanz falls was mit den Haaren nicht klappt, Klebeband, Sicherheitsnadeln und so weiter.

Zuhause vor dem Losfahren: 2. Alles an seinem Platz!
Eine der ersten Sachen die uns Tanja vor dem aller-aller-ersten Auftritt eingeschärft hat: Soweit wie möglich zu Hause fertig machen!

Ich glaube alles Andere würde mir auch den letzten Nerv rauben. Im schlimmsten Falle neben jeder Menge herumwuselnder, schnatternder anderer Tänzerinnen ganz von vorne anzufangen mit Make-up und Umziehen ist echt hart! Was also bis zur Abfahrt noch nicht am Mann (bzw. an der Frau) ist, kommt inkl. ggf. anderer Klamotten für hinterher in meine Tasche und wird noch ca. 20x durchgezählt, damit ich nur ja nichts vergesse …

Ryka - Slasher - Gothla 2011 - Leipzig - PfeffermühleVor Ort angekommen: 3. Blos nicht ansprechen!
Wenn ich dann mal da bin, das Make-up kontrolliert ist, die Klamotte sitzt und auch sonst nichts mehr zu erledigen ist, versuche ich einfach nur eine Runde Ecke zu finden. Was ich dann nur schwer ertragen kann, ist Geschnatter, Gegacker und am besten noch Diskussionen wie denn jetzt diese oder jene Stelle in der Choreo nochmal war, Small-Talk oder irgendwelche blöden Fragen, die mir irgendwer meint stellen zu müssen! Ja, ich bin ein wenig zickig und gereizt so kurz davor.

Je nach Nervositätsgrad überlege ich kurz ob ich mich gleich noch übergeben muss (nicht, dass das je auch nur Ansatzweise passiert wäre) und versuche ruhig zu werden.

Wenige Sekunden bevor es losgeht:
4. Tief durchatmen

Gleich geht es los. Einatmen. Ausatmen. Konzentrieren und sammeln. Feeling für den Song suchen. Festhalten. Einatmen. Ausatmen. Und los! – Hierbei unterbrochen zu werden ist FATAL!

… und danach?
Wenn ich das Gefühl habe etwas verbockt zu haben und mich darüber ärgere bin ich noch weniger ansprechbar als noch vor dem Auftritt. Da hilft nur zurückziehen und in Selbstmitleid baden – allerdings ist mir so etwas bisher nur einmal passiert (hier ein kleines *winke* an eventuelle Mitleidende ;) ).

In allen anderen Fällen ist das Lied eigentlich schon vorbei, eine Sekunde nachdem ich die Bühne betreten habe. Gibt es eigentlich ganz offiziell so etwas wie Bühnen-Amnesie? Ich leide nämlich anscheinend daran …

Dann bin ich erstmal aufgeregt, nicht mehr nervös, aber irgendwie verdreht auf eine ganz spezielle Weise, die es nur nach Auftritten gibt. Ich bin gleichzeitig eingeschüchtert und übermütig, mir ist zum Heulen und zum Lachen, ich möchte Schlafen und Feiern im selben Moment. Und ganz wichtig: Ich will nochmal! Schließlich habe ich von dem Auftritt gar nichts mitbekommen (Bühnen-Amnesie, wisst ihr?), und irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass es total grandios war und ich dringend sofort weitermachen muss. Oder morgen? Oder nächste Woche zumindest?

Ryka - Slasher - Gothla 2011 -  Leipzig - PfeffermühleVielleicht relativiert und verändert sich das Alles ja irgendwann einmal, wenn man das schön öfter getan hat als ich – aber das können wohl höcshtens Tänzerinnen beantworten.

Aber ein Appell an alle, die sich bei größeren, kleineren oder sonstigen Veranstaltungen eine Garderobe, einen Backstage-Bereich, eine Abstellkammer oder was auch immer mit anderen Frauen, Männern, Kindern, Orks oder Feen teilen: Geht den Anderen nicht zu sehr auf den Keks! DANKE!

Und falls ich euch dort unbemerkt auf den Keks gehen sollte: Sagt Bescheid (in dem Fall darf man mich dann auch ungestraft ansprechen). ;)

Die hier verwendeten Bilder wurden 2011 während der parallel zum WGT in Leipzig stattfindenden Gothla in Leipzig von Anhur für Fotos der Nacht aufgenommen worden.

Fotos von der Auftrittsvorbereitung habe ich leider keine, das wäre mir auch viel zu stressig, das auch noch festzuhalten! ;)