Schwere Geschütze

Alte Stoffrose am Wegesrand

Kürzlich unterhielt ich mich mit meiner Mutter – da fiel ein Satz, der mich zum Nachdenken brachte. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen und eigentlich ist es ja auch völlig egal. Es ging um „Das Alter in dem man noch gerne Halli-Galli mitmacht“ oder so etwas Ähnliches. Ich warf in den Raum, dass diese Phase wohl irgendwie an mir vorbei gegangen sein muss …

In der dann folgenden Erwiderung kam er, der Satz der mich anschließend Grübeln ließ: „Ja, wenn dann hast DU direkt schwerere Geschütze aufgefahren!“. Moment! Hab ich das wirklich?!

Ich dachte nach, grübelte und versuchte mich zu erinnern. Klar hab ich manchmal Unfug gemacht! Ich meine: Hallo?! Ich war ja auch mal ein Teenager! Aber „schwere Geschütze“, was soll das sein? Heute bin ich erwachsen, sollte es zumindest sein und habe versucht meine Jugend nochmal mit ein wenig mehr Vernunft vor meinem inneren Auge passieren zu lassen und überlegt ob ich irgendwas „Heftiges“ gemacht habe oder etwas bei dem ich mich besser an „den Anderen“ orientiert hätte, mit denen man ja immer gerne verglichen wird, wenn man sich wagt eigenständig zu Denken oder zu Handeln. Denn „die Anderen“ machen XY schließlich nicht oder zumindest anders!

Rückblickend betrachtet und verglichen mit „den Anderen“ muss ich sagen: Ich befürchte ich war total brav und langweilig! Regelrecht niedlich …

Bevor ich mit der Ausbildung angefangen hatte, war ich quasi „gefangen“ in einer winzigen Dorfwelt. Selbst wenn ich gewollt hätte, wie hätte etwas Großes machen sollen? Und mit wem? Das vermutlich Schlimmste im Bereich der realistischen Möglichkeiten wäre wohl ein total wagemutiger Ladendiebstahl im örtlichen Supermarkt gewesen. Aus Mangel an Alternativen versuchte ich mich hier und da mal irgendetwas anzuschließen. Doch eher selten, denn richtig wohl gefühlt habe ich mich damit nie. Ich war auch nie jemand der „Party machen geht“ – schon alleine den Ausdruck finde ich greulich!

Nicht, dass ich eine verkappte Klosterschülerin gewesen wäre … ich kannte eine Menge komische Leute, habe heimlich geraucht, war schon mal betrunken und auch mal gekifft (Probier und für langweilig befunden). Jawohl, das habe ich! Uhhuuuhuuu … Aber dennoch bin und bleibe ich im Vergleich mit dem Rest der Welt ein Mauerblümchen, damals wie heute. Ich habe nie etwas „richtig Wildes“ gemacht und weiß auch ganz ehrlich nicht wo mein schweres Geschütz steht.

Aber vielleicht sehe ich die Dinge und die Welt auch einfach anders? Eventuell kommt mir das auch alles nur so vor? Außerdem würde es mich wirklich interessieren wie das sein wird, wenn ich einmal Kinder habe. Wie ich sie und ihre Welt wahrnehme und wie sie sich selbst wahrnehmen … Aber bis wir das erfahren geht noch viiiiel Zeit ins Land. Zeit, die ich damit verbringen könnte mir den Kopf darüber zu zerbrechen, ob ich ein schlimmer Teenie war. Oder Zeit in der ich froh bin über die Vergangenheit – denn ohne sie wäre ich nicht hier und nicht ich wie ich jetzt bin. Also kann das alles wohl doch nicht so schlimm gewesen sein. Oder?

Wer mich kennt, darf mich hier gerne korrigieren! ;)