Notizbuchliebe …

notizbuchliebe

Meine Schwäche für Notizbücher ist ein offenes Geheimnis. Doch habe ich mir lange keine Gedanken darüber gemacht, woher das kommt. Das Medium Buch ist an sich ja schon etwas Schönes, doch normalerweise festgelegt, fixiert und gefüllt mit fremden Worten und Bildern (sofern man nicht zufällig selbst gerade der Autor ist).

Nicht so bei Notizbüchern, sie sind leer. Doch jedes dieser Bücher hat auch ungefüllt schon ein eigenes Leben. Sie enthalten die Freiheit des gesamten Universums und doch scheint der zukünftige Inhalt jedes einzelnen schon vorbestimmt zu sein. Man kann nicht einfach irgendein Notizbuch mit beliebigen Inhalten füllen, das geht nicht. Wenn ich ein neues Buch finde, habe ich meist schon eine vage Ahnung davon, wie es sich entwickeln wird – auch, wenn sich das nochmal ändern kann. Viele Exemplare müssen auch erst einmal im Regal „reifen“, um ihre Bestimmung zu finden. Als müsste es sich erst einmal bewusst werden, über seinen Umschlag, die Haptik, das Papier, den Geruch und die eigene Größe …

Leere Notizbücher sind wie verlorene Seelen auf der Suche nach der eigenen Identität in der Dunkelheit des Seins. Ebenso wie viele Menschen – der eine mehr, der andere weniger. Vielleicht ist das einer der wichtigsten Punkte, der mich mit einem leeren Notizbuch verbindet.

Ob es sich um Ideen handelt, um wilde Notizen, schnelle Skizzen, verworrene Geschichten, austauschbare Gedichte oder ausgefeilte Zeichnungen. Es konserviert, löscht, erschafft, verwandelt und manchmal fängt es einfach nur Gedankenkotze auf. Hat ein Buch sich erst einmal für einen Inhalt entschieden, wird es zu einem Gedankenmausoleum. Es hütet Gedanken und bewahrt Geheimnisse, besser und intensiver als jedes Fotoalbum und jedes Souvenir es jemals konservieren könnte. Es ist manchmal schön oder spannend, manchmal grauenhaft und oft heilsam, eine kurze Verbindung zu Momentaufnahmen der Vergangenheit durch das Blättern, Betrachten und Befühlen der alten Notizbücher aufnehmen zu können.

Es fing an mit einem einzelnen, blauen Notizbuch. Es war streng geheim und hütete meinen Teenie-Gedankenschatz in schwülstiger Gedichtform, irgendwann waren es vier blaue Bücher mit seltsamen Gedichten. Es gibt sie auch heute noch, noch immer ungelesen, noch immer furchtbar … Dann gab es noch weitere Tagebücher und Kritzeltresore, von denen aber mittlerweile kaum noch etwas existiert. Manches verloren, manches entsorgt und vieles rituell verbrannt und in fließendes Gewässer gestreut.

Ich liebe sie. Sie finden mich. Sie begleiten mich. Vermutlich kann ich es nicht verständlich erklären.
Wenn ich so noch einmal drüberlese, könnte man meinen, ich hätte eine eigene Bibliothek. Dabei ist es nur ein Regalfach, ein kleines und das ist durch den regelmäßigen Schwund noch nicht einmal richtig voll. Aber es ist wichtig!
_________________
Neulich wurde im Rahmen eines Gewinnspiels gefragt, was so schön an Notizbüchern ist und warum man dort gerne gewinnen möchte. Ich fasste ein paar kurze Worte zusammen, aber kaum war der Senden-Button gedrückt überrollten mich die ganzen Worte, die ich hierbei vergessen hatte. Darum war eine größere Liebeserklärung notwendig, hier ist sie.