Nachdem ich die letzten Tage jede Menge Buchcover gesehen habe, musste ich meine bisherigen Erkenntnisse über den deutschen Buchmarkt erweitern. Abgesehen davon, dass es einem beim Durchsehen von “Fantasy-Neuerscheinungen” bei Amazon und auch bei einem Blick in das entsprechende Buchregal eines durchschnittlichen Buchladens schnell mal hochkommt, weil das komplette Genre beizeiten nach einem Auffangbecken für billige Schmonzetten aussieht (Jaaaa, ich weiß es gibt auch tolle neue Bücher und jaaa, ich hab sowas schonmal gesagt – aber manchmal hat man einfach den Eindruck, dass da nur noch säckeweise Müll veröffentlicht wird).
Abgesehen davon scheinen sich deutsche* Verlage, aber auch nicht mehr zu trauen (oder vielleicht wollen die auch einfach nur nicht) eigene oder gar zum Buch passende Coverbilder zu entwickeln. Es scheint nur eine Handvoll Cover-Modelle zu geben die dann immer und immer wieder kopiert und wiedergekäut werden, so dass man als Buchkäufer das Gefühl hat, als würde überall immer und immer wieder nur das Gleiche veröffentlicht werden. DAS kann doch wohl keine Absicht von denen sein, oder?
Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass wenn irgendeine Art Cover erfolgreich war, etwas Ähnliches zu wiederholen … aber in diesem Ausmaß? Oder bilde ich mir das nur ein und es ist gar nicht so, dass die Cover irgendwie dauernd gleich aussehen? Oder ist es gar so, dass der weichgespülte Inhalt der Bücher genauso uniformiert ist wie das Aussehen der Einbände? Ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren!
Es folgen die Top-3 der Buchcover, die ich bitte in der nächsten Zeit nicht mehr oder nur noch stark reduziert (und vor allem auch nur wenn es wirklich zum Inhalt passt) in Buchregalen, die mich interessieren könnten zu Gesicht bekommen möchte, Danke!
1. Flavia de Luce/Tim Burton/Gruftischnucki/Scherenschnitt-Dings
Hauptsache kindlich und süß und spricht mich meistens voll an! Aber nicht, wenn das für jedes Pupsbuch aufgegriffen wird, so dass ich immer denke, das wäre was für mich, ist es aber gar nicht!

2. Kaltblütiger Killer mit Blut auf Weiß
Gerne zu ergänzen mit anderen roten Objekten (oder roter Schrift) statt Blut und Kratzern, Rissen, Messern und … und … und … Kann immer benutzt werden, wenn im Buch irgendwer, irgendwen umbringt.

3. Königin der Schmonzetten
Ich befürchte und hoffe, dass nicht alle Bücher die so aussehen auch wirklich so schmachtig sind, wenn man sie liest! Falls doch: Gute Nacht! Steht meistens irgendwo im Fantasy-Regal, gehört aber inhaltlich auch gerne mal in die Groschenroman-Ecke.

Die Liste ist aber natürlich bleiebig erweiterbar. Aber ich warne euch … sobald ihr darauf achtet, könnt ihr nie wieder entspannt einen Buchladen betreten oder bei Amazon stöbern! Zumindest nicht, bis diese drei Stereotypen wieder aus der Mode kommen – so dieser Tag denn jemals anbrechen sollte.
* Wer weiß, vielleicht tue ich den deutschen Verlagen da auch unrecht und das ist ein internationales Phänomen …
Rant Ende!
Kleine Anmerkung am Schluss: Mir ist bewusst, dass es nicht ganz so schwarz-weiß-malerisch ist, wie ich es gerne mal wahrnehme! Ich freue mich trotzdem über mehr Kreativität bei der Buchcovergestaltung. ;)
CC-Fotos:
Finger von ballanross (Lizenz)
Frauenportrait von Thomas Wanhoff (Lizenz)





10 Kommentare
Pixella schrieb:
28. Jun. 2012
Wie gut ich das Drama kenne.Bin letztens in einer Talia-Filiale gewesen und hatte nach dem Regal mit der Horrorliteratur gesucht.Wurde dann zu einem Regal geschickt wo 99% der Cover so aussahen wie das letzte.Nur noch Schmonzetten.Momentan scheint es fast ausschließlich Bücher zu geben in denen es jegliche erdenkliche Fabelwesen mit Menschen treib…ähm sich unsterblich in sie verlieben.*argh*
Ich möchte bitte wieder echte Horrorliteratur!-_-
Simone schrieb:
29. Jun. 2012
Das ist genau was ich meine … nur befürchte ich, dass sich teilweise sogar ganz gute Bücher momentan hinter Schmonzetten-Covern verstecken, weil irgendwelche Verlage denken, dann verkauft es sich besser (also natürlich abgesehen von dem ganzen richtigen Müll, der einem da angeboten wird).
AnnaMariaSchmidt schrieb:
29. Jun. 2012
Was leider IMMER noch stark verbreitet ist: irgendein Cape mit Faltenwurf, welches im imaginären Wind weht (der leider meist auch noch aus drei Himmelsrichtungen gleichzeitig zu wehen scheint)…
Vermutlich tue ich den Autoren damit unrecht, ABER: ich greife das Buch dann nicht mal an, um einen Blick auf den Klappentext, geschweige denn ins dritte Kapitel zu werfen…
Simone schrieb:
29. Jun. 2012
Capes sind und bleiben halt Evergreens! Superhelden … Magier … Vampire … sehnsüchtige Frauen … wo kämen wir hin, wenn die nur noch Jeans und T-Shirt tragen!? :P
AnnaMariaSchmidt schrieb:
29. Jun. 2012
Vermutlich nach Salt Lake City… *seufz*
Asherah schrieb:
29. Jun. 2012
Liebe Simone,
ich könnte Dir jetzt aufzählen, welche wunderbaren Bücher und Cover es momentan auch von deutschen Verlagen, ja, sogar, von deutschen Großverlagen gibt. Stattdesssen kichere ich vor mich hin und gebe Dir amüsiert Recht. Im großen und ganzen ist es so, wie von Dir beschrieben.
Der “Fachausdruck” für “Fabelwesen treiben es mit Menschen” ist übrigens FFÜ. Ihr dürft ja mal selbst überlegen, was das heißt ;-)
Im übrigen möchte ich bitte auch ein Cape ;-)
PS: Eine Auswahl der besten phantastischen Bücher 2011 gibt es übrigens hier: http://www.phantastische-akademie.de/index.php?id=20
Simone schrieb:
29. Jun. 2012
Also im Grunde weiß ich das ja auch … also dass es diese “anderen” Bücher auch gibt .. irgendwo gut versteckt zwischen diesem Trendy-Kram.
“FFÜ” hab ich in dem Artikel übrigens absichtlich nicht benutzt! ;)
Esther schrieb:
29. Jun. 2012
Leider ist das nicht nur bei Fantasy- und Krimibüchern so… Egal vor welcher Rubrik man in einer Buchhandlung steht.. die Cover und Titel unterscheiden sich nur noch marginal und leider auch immer häufiger die Inhalte /:
Maehnenwolf schrieb:
29. Jun. 2012
Jap, das ist mir auch schon aufgefallen. Um die letzte Variante mache ich eh einen Bogen, aber die ersten beiden Coverversionen finde ich mittlerweile auch nur noch kotzenswert (wobei ich Flavia DeLuce echt gerne gelesen habe).
Ebenso: Knallbunter Hintergrund (entweder schreiend orange, grasgrün oder ich-kotze-ist-das-Wetter-heute-geil-himmelblau) und davor ein Tier, wahlweise ein Erdmännchen oder Hundebaby…
Zeitzeugin | Fantasy, Nerdstuff, Science Fiction, Reviews, Gaming | schrieb:
25. Nov. 2012
[...] Was? Konformität der Buchcover [...]