Gothic Friday 03: Schwarzer Fächer der Passionen

Ein neuer Monat und ein neues Thema für den Gothic Friday. Im März geht es, so wie ich es verstehe, um einen „Schwar­zer Fächer der Pas­sio­nen“. Um Leidenschaften, Ausdrucksformen und Wege etwas auszuleben, zu erleben oder einfach zu gestalten. Mir stellt sich nun die Frage was von dem was ich tue Gothic ist und was nicht. Es gibt mit absoluter Sicherheit nichts, was in seiner Gänze den Oberbegriff Gothic verdient hätte. Bekanntlich halte ich mich ja auch nicht wirklich für Gothic sondern eher für „tendenziell gruftaffin“ aber genau so ergibt es sich, dass sich so eine gewisse Grundstimmung in die meisten Sachen die ich tue ein wenig einschleicht, Mal mehr Mal weniger. Darum habe ich mich entschlossen einfach einige Dinge heraus zu picken und diese versuchsweise in Bezug zum Thema Gothic zu setzen, sofern dies möglich ist.

Diverse Schwarz-Weiß-Zeichnungen

Die Klassiker:

Ich vermute Mal, dass mit die meistgenannten „Passionen“ wohl die beiden Klassiker „Schreiben und Malen/Zeichnen“ sein werden. Aber vielleicht belehren mich die anderen Teilnehmer eines Besseren.

Auch ich kann mich davon natürlich nicht freisprechen. Ich denke, ich war in beidem nie besonders gut, auch wenn ich früher viel gezeichnet sowie zahlreiche Gedichte und kleine Geschichten (und zahllose Geschichtsfetzen, die nie vervollständigt wurden) in kleine blaue Bücher geschrieben habe. Irgendwann habe ich damit aufgehört. Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam, aber im Nachhinein betrachtet war es nicht so klug damit aufzuhören, denn irgendwie hat es mir immer sehr gut getan, mich auf die eine oder andere Weise ausdrücken zu können. Auch wenn das sicher keine große Kunst war, sogar sehr weit davon entfernt, auch wenn diese Dinge nie irgendwer zu Gesicht bekommen hat. Außerdem bastele und nähe ich auch ziemlich gerne, und habe so auch hin und wieder das eine oder andere Kleidungs-, Schmuck- oder Accessoire-Ding hergestellt.

Ich erschaffe einfach gerne kleine Dinge. Es ist wie ein innerer Drang dem ich folge. Wenn ich nichts machen würde, mir nichts ausdenken könnte und nicht hin und wieder das Eine oder Andere herstellen könnte, würde ich wohl irgendwann einfach platzen. Es ist nicht so wichtig welches Mittel und Medium ich dafür nutze, solange es irgendwie nach draußen kann. Doch ist das Gothic? Zählt das als schwarze Passion? Ich würde sagen es sind gewisse Leidenschaften die manchmal gerne eine Tendenz ins etwas Düstere aufweisen, aber nie ganz darin versinken werden.

Da ich seit einiger Zeit nichts mehr gemacht habe, sind die Bilder hier nur etwas ältere Beispiele. Bei den alten Gedichten habe ich mich allerdings nicht dazu durchringen können eines online zu stellen, die waren dann doch etwas zuuuu, na ich weiß nicht … zu sehr Vergangenheit trifft es am ehesten, das Meiste entspricht mir heute so gar nicht mehr.

Bunte Zeichnungen

Die Geschichte oder wie ich zum Gothic-Bellydance kam:

Es ist ja nun kein Geheimnis, dass ich für mein Leben gerne tanze. Ich wollte immer tanzen. Als ich klein war fand ich Pferde doof und wollte Ballerina werden (oder alternativ Popstar, oder Prinzessin). Eine Zeit lang war ich Teil einer Kindertanzgruppe und eine Zeit lang durfte ich nach sehr viel Quengelei auch einmal wöchentlich Ballett-Unterricht besuchen (aber nur 2 Jahre lang). Irgendwann kam ich dann in die Pubertät und fand aus Prinzip schon Mal alles blöd. So habe ich mich quasi selbst der Möglichkeit beraubt weiter zu tanzen. Später wollte ich wieder anfangen, fand aber keinen richtigen Ansatz. Abgesehen davon dass es sehr schwer ist entsprechende Angebote für Erwachsene zu finden (wenn man nicht gerade in einer Großstadt lebt), habe ich mich bei den wenigen Sachen die ich fand irgendwie nicht so ganz „heimisch“ gefühlt.

So dümpelte dieses ungestillte Verlangen unbeachtet irgendwo in mir herum. Bis eines Tages eine Freundin fragte ob ich nicht Lust hätte, einen Bauchtanzkurs mit ihr zu besuchen. Die Tanzart war mir eigentlich relativ sympathisch und ich hatte es noch nicht versucht, also war ich gleich dafür. Ich fürchtete mich nur ein klein wenig davor, dass die Musik furchtbar nervig ist, dass mir das zu viel „Chichi“ und „Tralala“ sein würde und davor, dass nur Hausfrauen um die 50 dort sein würden. Bei meiner Internet-Recherche nach einer Lehrerin in der Nähe stieß ich dann aber recht schnell auf Tanja bzw. Asherah Latifa die doch tatsächlich etwas anbot, das sich „Gothic-Bellydance“ nannte. „OMG!! Das MUSS ich machen!“ – Und sofort hatte ich eine Mail geschrieben. Der erste Versuch einen Anfänger-Kurs zusammen zu bekommen scheiterte leider am Mangel von Teilnehmerinnen, aber ein paar Monate später fing ich dann doch an die ersten Hüftkreise in meinen Bewegungsablauf aufzunehmen (und das war doch tatsächlich deutlich schwerer als gedacht). Das war so vor nicht ganz drei Jahren, im Sommer 2008 und seitdem bin ich verfallen.

Gothic Bellydance - Gothla - Ryka

Was bedeutet das Tanzen für mich:

Wie ich schon weiter oben mit Schreiben, Zeichnen usw. beschrieben habe, muss ich Dinge, Gefühle, Schemen, irgendwie aus mir heraus bringen. Das klappt beim Tanzen nicht immer ganz so gut wie es sollte, aber mit der Zeit immer besser. Es kostet, anders als beispielsweise beim Schreiben oder Zeichnen wesentlich mehr Überwindung mit dem ganzen Körper und mit Gefühl, im Raum irgendetwas hervorzubringen und es muss wesentlich tiefer in einem gegraben werden. Gleichzeitig ist es aber auch wesentlich befreiender und berührender als irgendetwas Anderes. Manchmal ist zu tanzen wie einfach Mal laut schreien, oder weinen, oder lachen oder was auch immer gerade ausgelebt werden will. Man kann zumindest Teile von sich ausleben die völlig surreal oder unbegreiflich sind, ohne dafür in eine Anstalt zu kommen und das ist einfach wunderbar. Das liest sich jetzt irgendwie gerade furchtbar abgefahren, wenn ich noch einmal auf den Text gucke, aber das ist es eigentlich gar nicht.

Originalfoto für das oben verwendete Gothic-Bellydance-Bild, wurde übrigens aufgenommen vom Bernd bzw. Anhur von Fotos der Nacht, bei der 3. Gothlaan Pfingsten 2010 in der Leipziger Pfeffermühle. In der Galerie davon gibt es mehr davon, selbstverständlich auch von allen anderen teilnehmenden Damen.

Und Publikum?

Aufgetreten bin ich bisher „nur“ nach Choreografie von Asherah Latifa. Da ich im Grunde aber extrem schüchtern bin, musste auch (mit viel Tränen und Gezeter) überhaupt erst einmal der Schritt gewagt werden mich vor Menschen zu trauen, um dort zu tanzen und dann auch noch der Schritt alleine vor ein Publikum zu treten. Alle gucken mich an und ich soll auch noch irgendetwas tun, das im besten Fall noch irgendwie hübsch anzuschauen ist. Da dies nun geschafft ist, ist der nächste logische Schritt einen eigenen Tanz irgendwie, irgendwo herzeigen zu können. Bisher blieb auch der ja nur hinter verschlossenen Türen, aber ich fiebere schon dem Tag entgegen, an dem sich das ändert. Ungeachtet der Tatsache ob ich jetzt die megatolle Tänzerin bin oder nicht (wenn Ja wäre das schön, aber unwahrscheinlich, wenn Nein habe ich mich trotzdem [für mich] etwas Großes getraut).

Bonusmaterial: Videos

Normalerweise stelle ich mich ja ein wenig pingelig an, was Videos von mir im Internet angeht, aber nachdem ein paar Mädels neulich erst zu mir gesagt haben, ich solle Mal besser auf meinen eigenen Rat hören und mich einfach trauen, bekommt dieser Beitrag sogar Videos (Yehaw!). Sie könnten für meinen Geschmack besser sein, aber was solls, ich verbessere mich mit der Zeit, wachse und irgendwann bin ich vielleicht auch Mal selbst zufrieden. Ich bin mopsiger als ich gerne wäre und auch nicht so gut wie ich gerne wäre, also seid nicht zu streng mit mir. ;)

1. „Eisblumen“ bei den Mittelaltertagen im DFG in Saarbrücken, September 2010
Für mein Empfinden eigentlich garnichtmal sooo Gothic, was aber wohl weniger an den weißen Kostümen liegt, sondern eher daran dass ich das Lied jetzt nicht so mag und wohl auch selbst nie zum Tanzen ausgewählt hätte. Nichts desto trotz hat es sehr viel Spaß gemacht. Für einige aus der Gruppe war es der absolute Neuanfang was Bauchtanz und Gothic Bellydance angeht, und die haben sich gleich an die Choreografie vor so vielen Menschen gewagt, das finde ich total bewundernswert. Falls mich Jemand sucht, ich bin die Schwarzhaarige von dem Päärchen vorne in der Mitte.


2. „Knock three times“ bei der Gothla 2010, Pfingsten in der Leipziger Pfeffermühle
Uhh… ich war ganz, ganz mutig! Ich habe es hochgeladen! Für euch! (Naja, auch ein wenig für mich, schätze ich.) Mein erster Solo-Auftritt in der Öffentlichkeit, also außerhalb des sicheren Tanzstudios. Seid bitte gnädig mit eurem Urteil. Wer letztes Jahr an Pfingsten in Leipzig war hätte es sehen können. Aber dieses Jahr geht es weiter! Juhu!


Hier geht’s zur Gothic-Friday-Aktion.