Einhorn-Analogien

Muggels und Einhorn-Analogien

Was wenn mir ein Horn auf der Stirn wüchse? Die meisten Menschen haben kein Horn auf der Stirn. Ist mein Horn deswegen falsch und muss unter allen Umständen abgesägt werden? Weil es halt nunmal nicht üblich ist ein Horn zu haben?

Was, wenn ich mein Horn akzeptiere? Weil es nunmal da ist, zu mir gehört und mich nicht weiter kümmert? Was, wenn ich mir bisher nicht mal große Gedanken um das Horn gemacht habe?

Was wenn ich mein Horn manchmal sogar ganz praktisch finde? Wenn ich für mich eine Technik entwickelt habe, das sogar sinnvoll als Werkzeug zu benutzen? Ja, mag sein … mir passen keine Standard-Hüte und manchmal stoße ich mich an Türrahmen, die für die Hornlosen konzipiert wurden, doch das ist nun nicht wirklich schlimm für mich und selbst Leute ohne Horn stoßen sich schon mal an irgendwas.

Und dann kommen „sie“. Sie erzählen dir, dass dein Horn falsch ist. Sie sagen, dass DU falsch bist. Dass man dich korrigieren muss, denn Menschen haben kein Horn zu haben und das geht so nicht, das DARF nicht sein!

„Diese Frau leidet an einem Horn auf der Stirn!“

Ach wirklich? Wer sagt das? Es tut doch garnicht weh… eigentlich ist es sogar ganz hübsch, schau mal hier!

„Dieses Horn ist eine schlimme Behinderung. Die Ärmste kann nichtmal Hüte tragen!“

Eigentlich mag ich auch gar keine Hüte, mir sind lustige Kopftücher viel lieber.

Aber „sie“ geben nicht auf. Sie können und wollen nicht verstehen, dass nicht alles falsch ist, das nicht ihrem Standard gerecht wird. Menschen MÜSSEN Hüte tragen! ALLE! Warum, das können sie auch nicht erklären. Weil … das macht man halt so.

Und Leute mit Horn auf der Stirn können ohnehin nicht wissen, was gut für sie ist, denn das Horn behindert die korrekte Sicht auf die hochoffiziellen Regeln des Seins.

Sie machen weiter, bis auch das fröhlichste Einhornmädchen sich verschämt im Schatten versteckt. Bis sie selbst daran glaubt, dass es nicht in Ordnung ist ein Horn zu haben. Bis sie selbst sich versucht das Horn abzusägen und schmerzhafte Narben dabei zurücklässt. Bis wieder andere Menschen die Existenz des schmerzenden, abgesägten Horns bestreiten ohne genauer hinzusehen.

Die Frage bleibt: Warum?

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Inspiriert durch jüngste Begebenheiten an unterschiedlichsten Baustellen, welche mich auf sehr unschöne Art an Normierungs- und Gleichschaltungsaktivitäten vergangener Zeiten erinnern.