Die fremde Straße am frühen Morgen

metro paris 610x406 Die fremde Straße am frühen MorgenIrgendwie scheint um einen herum immer alles neuer, mehr, größer, lauter und schneller zu werden. Manchmal scheinen all die wundervollen Kleinigkeiten völlig auf der Strecke zu bleiben. Neulich ging ich durch die Stadt, genauer durch einen Stadtteil in dem ich sonst fast nie herumlaufe, aber sehr oft durch fahre. Morgens um zwanzig nach acht. Ich hatte nicht viel Zeit, denn ich musste zur Arbeit, aber ich hätte noch eine ganz Weile damit verbringen können in dieser einen Straße hin und her zu wandern. Zu sehen wer da lang läuft, was die Menschen tun, wo sie hin wollen. Die Fenster aus denen die unterschiedlichsten Geräusche und Gerüche auf die Straße strömen und die eigentlich so triste Straße mit einem Mal unfassbar lebendig wirken lassen, wenn man sich mal die Mühe macht die Details zu beachten und nicht einfach nur von A nach B zu rennen weil man ja dies und das zu erledigen hat und außerdem weg muss.

Da sind zwei Frauen, sie albern herum und haben ein jeweils ein Eishörnchen in der Hand. Wo haben die das denn jetzt schon her? Ist das was da aus dem Hinterhof dringt eigentlich Musik oder Baulärm? Irgendjemand scheint zu singen, also tippe ich auf irgendeine Art Musik. Da vorne stöbern Leute in der Auslage eines Ramschladens, und wieder andere scheinen gerade im Alltags-Stress-Modus durch die Welt zu rennen. Irgendwo riecht es nach Kaffee, woanders nach Waffeln oder etwas ähnlichem. Das ulkige kleine Café macht erst um halb elf auf, der Fiffi der traurig guckenden Frau scheint nicht so zu wollen wie sie. Gerne möchte ich mehr wissen über alles was ich sehe, höre und rieche – als stiller Beobachter die Kleinstbastionen der Menschheit entdecken und erforschen als wäre es eine andere Spezies.

Vielleicht spricht aus mir ein ja auch einfach nur Dorfkind, das in die Stadt gezogen ist. Wobei Saarbrücken ja vom Gefühl her eher ein Nest als eine “große Stadt” ist, aber sicherlich ungemütlich genug um blühende Wiesen und ein überschaubares Umfeld zu vermissen. Dort wo man jeden Grashalm kennt, und genug über die einem begegnenden Leute weiß um sich seinen Teil zu denken. Vielleicht muss man sich aber auch nur auf die neue Welt einlassen und anfangen hier das Leben zu finden, die kleinen Augenblicke und Dinge die einen packen, wenn auch nur für ein paar Sekunden. Das einzelne Gänseblümchen, der nicht zu ortende Duft nach Waffeln auf der Straße, eine kurze Ahnung von einer anderen Welt, einem anderen Leben, anderen Menschen. Die Leute um einen herum: Wer sind sie? Was tun sie? Wo gehen Sie hin? Was passiert hinter diesem Fenster?

Manchmal möchte ich einfach morgens durch die Straßen streunen und einfach sehen wie Leute leben, was sie tun. Aber in der Regel muss ich arbeiten, oder irgendetwas erledigen – umherhetzen. Ich sollte mir mehr Zeit für so etwas nehmen. Meine Umwelt aufsaugen und alles mit allen Sinnen aufsaugen.