Can you hear me?

Viele Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal einen Manga gelesen habe. Aber über ein paar Umwege kam ich jetzt wieder dazu und er war ausgesprochen zauberhaft*. Die ersten Seiten waren noch etwas holprig, da ich die Leserichtung einfach nicht mehr gewohnt war, aber nach 2-3 Doppelseiten hatte ich es wieder raus.

Hätte ich dieses Buch als Teenager gehabt, ich hätte es vermutlich gehütet wie einen Schatz und bis heute in einer geheimen Erinnerungskiste aufbewahrt. Aber auch heute berührt mich diese traurige und hoffnungsvolle Geschichte noch. Allerdings hätte ich die Geschichte als Teenager wohl kaum in der Form lesen können, da gab es schließich die Handy-Problematik so noch nicht. ;)

Can you hear me - AußenCan you hear me - Innen

Die Story
In diesem Manga begleiten wir die High-School-Schülerin Ryo. Ryo ist einsam, sie spricht fast gar nicht – und wenn sie doch einmal von ihren Mitschülern angesprochen wird, wird sie so nervös und angespannt, dass sie kein Wort herausbringt: Eine klassische Einzelgängerin, wenn auch nicht ganz freiwillig. Sie wär gerne wie die anderen, die immer schwatzen und lachen und mit ihren Handys andauernd verbunden sind. Ryo hat kein Handy. Sie gehört nicht zu diesem Netzwerk. Ryo ist allein.
Was sollte sie auch mit so einem Handy – sie hätte ja niemande, den sie anrufen könnte … dennoch stellt sie sich ihr Handy vor. Wie es aussieht, wie es sich anfühlt, welche Farbe es hat und sogar welchen Klingelton sie auswählen würde. Doch eines Tages … eines Tages klingelt ihr imaginäres Handy. Es klingelt nicht nur, eine fremde Stimme meldet sich am anderen Ende, eine Jungenstimme. Sie gehört zu Shinyo, der ebenso einsam ist wie Ryo und sich in seiner Fantasie sein eigenes Handy ausgemalt hat, mit dem er dann versucht hat bei irgendwem anzurufen. Doch sie sind nicht alleine … da gibt es auch noch diese mysteriöse Frau mit der Ryo ab und an kopftelefonieren kann.
(Mehr möchte ich an dieser Stelle ungerne verraten – das ist so herzerweichend, das sollt ihr selber lesen.)

Die Zeichnungen
Viele Mangas finde ich von den Zeichnungen her ziemlich anstrengend – das wird mir schnell zuviel. Das ist hier nicht so. Zwar sind die Zeichnungen eindeutig japanisch und mangamäßig aber immer passend, ohne unnötige Übertreibungen, Kleinmädchen-Optik oder Firlefanz*. Alles ist wunderbar reduziert, war der melancholischen, getragenen Geschichte nur zu Gute kommt und die leise Stimmung der Handlungen und Erzählungen perfekt unterstützt.

Anmerkungen:
Niedlich und melancholisch, ohne nervig zu werden – das ist nicht einfach. Dieser Manga schafft es aber. Ich weiß nicht ob man Ryos Situation kennen muss, um diese Geschichte zu lieben, oder ob sich einfach jeder irgendwann wie sie fühlt – aber die Geschichte ich einfach (ich wiederhole mich) zauberhaft!
Der Autor der Geschichte (Otsuichi) ist wohl ziemlich bekannt durch beispielsweise „Goth“. Da ich aber kein Manga-Kenner bin, kann ich da wenig zu sagen.

Die harten Fakten:
Ehapa Comic Collection | Autor und Zeichner: Otsuichi, Hiro Kiyohara
Übersetzung von Burkhard Höfler
One Shot
Originaltitel Kimi ni shika kikoenai
Originalverlag Kadokawa

Can you hear me?
> Taschenbuch
> 208 Seiten
> Erscheinungsdatum: 15. März 2010

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*Ich finde dieses Wort sollte bedeutend häufiger verwendet werden, also macht das!
*Dieses Wort mindestens genau so!