Abmahngedöns: Just my 5 ct …

Abmahnungen ... Ich glaube es ist mittlerweile an Keinem mehr vorbei gegangen, dass eine bestimmte Anwaltskanzlei zur Zeit das halbe Internet* abmahnt, wegen Bildrechten aus den USA, die sie angeblich von irgendeiner anderen Firma aus den Niederlanden gekauft haben wollen. Als ich das Schreiben in den Händen hielt entschied ich mich erstmal nichts darüber zu schreiben – um sicherzugehen, dass mir nicht daraus auch noch ein Strick gedreht werden könnte.

Ich war vermutlich eine der Ersten, die Post von den Herren bekam, für die Verwendung eines bekannten Bildes von Nathan Sawaya, der bekanntermaßen eigentlich sehr dafür ist, seine Werke im Internet zu verteilen. Und anscheinend habe ich auch eine der höchsten Summen aufgebrummt bekommen. Er bietet das für die meisten Wege netterweise schon automatisiert auf seiner Seite an und bedankt sich, wenn es so etwas mitbekommt, auch schon mal per Twitter. Anscheinend wurden die Gebühren, die Bloggern hier auferlegt werden, damit es spannender bleibt, vor Ort von den Anwälten ausgewürfelt. Anders lässt es sich eigentlich nicht erklären, dass ein bedeutend größeres Blog als meines, nämlich „We like that„, für das gleiche Bild und eine längere Nutzung als bei mir, plötzlich weniger als die Hälfte zahlen soll.

Jetzt soll dieser Künstler die Bildrechte an seinen Fotos ausgerechnet und nur für Deutschland an eine niederländische Firma („Black Sheep Press“) abgetreten haben**, die diese an eine andere Bildagentur („hgm-press“) in Deutschland weitergereicht/verkauft haben, damit die wiederrum alle geteilten Bilder abmahnen und einen Haufen Schotter damit machen, von dem Nathan vermutlich nicht wirklich etwas sieht? Really? Das macht doch überhaupt keinen Sinn! Also, so wirklich gar keinen! Zumindest nicht in meiner Welt.

Urheberrecht ist eine tolle Sache! Ich bin wirklich und absolut dafür, allerdings bin ich ebenso dafür, dass eventuelle Verstöße und Strafen sich in einem halbwegs realistischen Rahmen bewegen. Was bei einigen tausend Euro für ein einziges Bild einfach nicht mehr gegeben ist. Insbesondere nicht, bei einem Foto, das zum Verteilen gedacht war, von einem Urheber, der sich freut, wenn über ihn berichtet wird. Ein Urheber, der außerdem auch noch im Bild selbst vermerkt und verlinkt war. Das ist schlichtweg absurd!
Außerdem hätte ich als Künstler auch gerne die Gewissheit, dass ich mir keine Sorgen um die Leute machen müsste, die so nett sind mein Werk zu verbreiten, weil sie es mögen und weil ich es Ihnen erlaube.

Sicherlich haben die meisten von uns schon mal in einem kleineren Rahmen gegen das Urheberrecht verstoßen, genau wie die meisten von uns (und damit meine ich nicht „die Blogger“, sondern generell „die Menschen“) schon mal zu schnell gefahren sind, falsch geparkt haben oder irgendeine andere kleine Sünde begangen haben. Und zwar in dem vollem Bewusstsein, dass das eventuell nicht ganz regelkonform ist, aber auch der Überzeugung, dass niemand zu Schaden kommt. Und wenn man ein Knöllchen bekommt, dann bekommt man eben eines. Aber keines, das mehrere Tausend Euro kostet, nur weil die Politesse gerade einen schlechten Tag hatte! Ich hatte das Bild übrigens sogar mit zwei Quellangaben versehen, zur Sicherheit – inkl. Namen und Webadresse des Künstlers.

So geht es wohl auch vielen Bloggern, die offensichtliche Promo-Bilder benutzen, um Werbung für ein Produkt, einen Film oder eben wie hier einen Künstler zu machen. Nicht, um Copyrights zu entfernen, sich mit fremden Federn zu schmücken und billig irgendwelche Offtopic-Blogartikel zu illustrieren***, sondern in der Regel weil sie genau über jenes Produkt, jenen Film oder jenen Künstler berichten möchten – weil sie sich mehr Öffentlichkeit dafür wünschen, weil sie mehr Öffentlichkeit dafür verdient finden. Genau wie bei dem gelegentlichen Falschparken, auch in dem Bewusstsein, dass im Zweifelsfall Ärger geben könnte. Ob das richtig ist oder falsch kann man durchaus diskutieren – aber in diesem Fall scheint es wenig zu diskutieren zu geben.

Der Künstler Nathan Sawaya sagt, er hat noch immer die Rechte an seinen eigenen Bildern und habe die auch nicht irgendwann an irgendwen abgetreten, um in Deutschland horrende Fantasiegebühren zu verlangen. Die Bildagentur inkl. deren Anwälten behaupten allerdings auch sie haben die Bildrechte und einen Schrieb auf dem das von Nathan bestätigt worden sein soll (Niederlande). Und dann sind da noch alle anderen Betroffenen, die bitteschön zahlen sollen und denen vorerst nichts bleibt als abzuwarten und sich ebenfalls einen Anwalt zu suchen.

Urheberrechte und Nutzungsrechte sind eine feine Sache. Aber das hier – das ist irgendwie scheiße!
Ein dickes Danke geht an welikethat.de – die sich als erstes zu Wort gemeldet und so den (öffentlichen) Stein ins Rollen gebracht haben.

Ich werde von Marcus Dury (dury.de / filesharinganwalt.de) vertreten. Marcus ist ein Fachanwalt für IT-Recht und mit seiner Kanzlei unter anderem spezialisiert auf Probleme dieser Art. Einige weitere Infos könnt ihr auch unter diesem Facebook-Post nachlesen.

Wer es nicht schon getan hat, kann gerne hier und in den dort folgenden Links noch einmal zu den ganzen Ereignissen der letzten Tage einiges nachlesen:
Artikel auf Spiegel Online
Pressemitteilung des Künstlers Nathan Sawaya zu dem Fall
We like that: Abmahnung – Jetzt hats uns auch erwischt!
We like that: Abmahnung – Der Abmahn-Wahnsinn geht weiter!
We like that: Abmahnung – Aktueller Abmahnstand!

Bei We like that finden sich zahlreiche weiterführende Links zu anderen Abgemahnten und anderen Blogposts zu dem Thema.

* Eventuelle Übertreibungen sind durchaus gewollt!
** Behauptet aktuell die Bildagentur, die mir und den anderen Bloggern die Abmahnungen verordnete.
*** Selbstverständlich gibt es so etwas auch, aber das ist schlichtweg dumm und unfair!